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Augenblick mal!

Wem kommt dieses Tor bekannt vor? Wer schon vom Kieler Kamp in Kronsburg aus in den Wald und auf die Wiesen gelaufen ist, kennt dieses Tor. Aber hindurchgelaufen ist noch keiner. „Hauptsache, zu!“ fiel mir dazu ein. Was aber niemanden schreckt, kann man doch, wie mein Mann mit unserem Hund Murmel, seelenruhig nebenher spazieren.Sogar ein dickes Schloss ist noch extra angebracht, hier ist wirklich kein Durchkommen.

Mich erinnerte dieses riesige, verschlossene Tor mit Durchblick an Covid-19. Halt! Stop! Hieß es vor einem Jahr und noch einmal mit Nachdruck im Dezember. Kein „Weiter so“, kein Vielleicht. Und mit den Impfungen geht es auch nicht so voran wie gewünscht. Da bleibt uns das Leben, wie wir es kennen und lieben, verschlossen, versperrt.Bleibt uns da nur noch der sehnsüchtige Blick durch das Gitter von der einen zur anderen Seite? Dieses kuriose Tor belehrt uns eines Besseren: Es gibt auch Wege zum Leben abseits von Corona, seelenruhig und getrost. So, wie die Menschen es in den Blickpunktne Nr. 50 - "Lichtblicke" - beschreiben: Es geht auch anders! Nicht immerzu, aber immer öfter! Wenngleich wir die echte wirtschaftliche Not und das Elend der Erkrankten überhaupt nicht kleinreden und verdrängen dürfen! Aber es gibt eben auch – und vielleicht gerade im Blick auf diese Unglücklichen! – andere Wege ins Leben!

Wir sind nicht nur kreativer geworden, was unseren sozialen Umgang angeht, wir sind auch dankbarer geworden und aufmerksamer dafür, was uns gelingt, was uns geschenkt wird, womit Gott uns segnet. Die Grenzen, die Covid-19 uns aufzeigt, bringen uns auf neue Wege. Und ich glaube, vieles davon wird uns weiter begleiten, auch über Corona hinaus. Nicht zuletzt das Vertrauen in einen Gott, der alle Grenzen überwindet, auch die Grenze vom Leben zum Tod. Und wenn ich einst – oder auch schon bald – vor diesem Tor stehe, dann fasse ich hoffentlich getrost Gottes Hand und lasse mich vorbeiführen an dem verschlossenen Tor auf den Weg zum verheißenen Leben: „Gott wird alle ihre Tränen trocknen, und der Tod wird keine Macht mehr haben. Leid, Angst und Schmerzen wird es nie wieder geben, das ist für immer vorbei.“ (Offb. 21, 4) Das ist keine billige Vertröstung auf das Jenseits. Das ist fundiertes Vertrauen in eine göttliche Kraft, die nicht klein beigibt, wo wir nur verschlossene Tore sehen.

Gott sei Dank ist Gott anders und mehr als wir. Und Gott ist sich für uns nicht zu schade. Wir werden nicht vertröstet, wir dürfen getrost sein. Auch schon vor dem Sterben, denn das ewige Leben beginnt hier und heute – wo wir Gottes Hand ergreifen und Gott so ernst nehmen, wie Gott uns ernst nimmt. Wo wir uns segnen lassen, weil Gott weiß, was wir brauchen. Ein gesegnetes Osterfest! „Und bis wir ins wiedersehn, möge Gott seine schützende Hand über dir halten!“

Pastorin Susanne Lau