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ADVENT

„Papa“, fragte Tobi, „wie entstehen eigentlich Kriege?“

„Ja, mein Junge, die Sache ist so: Nehmen wir zum Beispiel an, England streitet sich mit Amerika über irgend etwas…“

Die Mutter unterbricht: „Rede doch keinen Unsinn, England und Amerika werden sich nicht miteinander streiten!“

„Das behaupte ich ja gar nicht! Ich will doch nur ein Beispiel nennen!“

„Mit so einem Unsinn verwirrst du dem Jungen nur seinen Kopf.“

„Was? Ich verwirre seinen Kopf? Wenn es nach dir ginge, würde überhaupt nichts in seinen Kopf hineinkommen!“

„Was sagst du da? Ich verbiete dir, so zu…“

Da ruft Tobi: „Danke, Papa, jetzt weiß ich, wie Kriege entstehen!“

 

Eine Geschichte zum Schmunzeln. Aber es ist Ernst. Wir können es auch. Nicht nur die da oben, die Kriegstreiber, die Demagogen, die Verführer in Wort und Ton. Leute, die alles verdrehen und vielen nach dem Mund reden, brandgefährlich, hatten wir alles schon mal. Die Welt lernt nichts dazu.

Wir können es auch. Oja, natürlich. Wo haben die da oben das sonst gelernt, wenn nicht in ihren Familien? Alles fängt irgendwann klein an. Auch das Böse. Wobei… was ist denn böse? Muss man das Streiten nicht lernen? Das Sich-Behaupten, das Eintreten für das, was einem wichtig ist? Aber natürlich, anders bewegt man nichts, auch nicht das Gute. Aber wo ist der Unterschied? Was ist gut, was ist böse? DAS müssen wir unseren Kindern beibringen! Genau hinzuschauen, hinzuhören und zu unterscheiden: Was kommt raus, wenn ich das zu Ende denke, was der eine will und was die andere vorhat? Wie rund sich das auch anhört, wie sehr die Massen auch jubeln – ICH SELBST bin vor Gott in der Pflicht zu unterscheiden zwischen Gut und Böse. Manchmal gibt es kein Gut, es gibt nur mehr oder weniger Böses. Man kann es nicht immer allen Recht machen und alle Probleme der Welt alleine lösen. Aber bei denen landen, die auf Kosten anderer ihre Schäfchen ins Trockene bringen? Wehret den Anfängen, heißt es. Aber wie? Setzt eigene Anfänge dagegen! Lebt in den Familien Toleranz und Verständnis, lebt Anteilnahme und Großzügigkeit. Lebt Feingefühl und Selbstkritik  - und bleibt dankbar. Dankbar für den Segen, den ihr euch nicht allein verdient habt. Geld kann man verdienen. Segen nicht. Und nur der beflügelt. Macht uns zu Boten Gottes, zu Engeln in einer Welt, die viel zu gut weiß, wie man Krieg führt… So will ich dankbar sein in diesem Herbst, dankbar trotz aller Nackenschläge, trotz aller angstvollen Sorge, die in mir hochkommt, wenn ich Nachrichten sehe. Dankbar will ich das tun, wozu mich Gott gesegnet hat: mit anderen das Gute suchen, das, was unsere Welt heller macht. „Ihr seid das Licht der Welt!“ sagt Jesus (Mt.5,14).  Daran erinnern die Laternen der Kinder, die Grablichter auf den Friedhöfen und die Kerzen im Advent. Eine gesegnete Zeit!

Ihre Pastorin Susanne Lau